Früher war alles besser ... oder?

Wenn ich manchmal am Sonntag Nachmittag mit meiner Mutter bei Kaffee und Kuchen sitze, höre ich von ihr so Sätze wie:

„Ich möchte nicht mehr jung sein –und überhaupt wird alles immer schlimmer in dieser Welt.“

Irgendwie komisch denke ich mir dann, denn ich bin von klein auf mit sehr viel Optimismus und Zuversicht geprägt worden, also frage ich mich, wann hat sie wohl angefangen mit dem negativen Denken. Doch sie ist damit nur eine von sehr vielen, wenn ich an die Menschen um mich herum denke. Nun ja, wen wunderts.

Düstere Aussichten?

Wenn wir das Fernsehen einschalten oder die Nachrichten lesen wird uns klar gemacht, dass wir uns nach wie vor in einer Wirtschaftskrise befinden, die zunehmenden Flüchtlingsströme nicht zu bewältigen sind, der weltweite Terrorismus immer brutaler und unberechenbarer wird und die Arbeitslosenzahlen in unserem Land steigen. Wer bleibt da noch optimistisch, bis auf ein paar naive und unverbesserliche Träumer. Und dennoch habe ich mich entschieden ein solcher Träumer zu bleiben.

„Denn ein Mensch beginnt zu sterben, wenn er aufhört zu träumen.“
(Zitat John Rockefeller)

Da ich aber auch immer ein Mensch der Zahlen war und bin, wollte ich dieser Sache genauer auf den Grund gehen und bin auf interessante Daten gestoßen:

Now is better ...

In der sehr empfehlenswerten Ausstellung „The Happy Show“ von Stefan Sagmeister, welche noch bis Ende März in Wien zu sehen ist, habe ich unter dem Titel „now is better“ folgende erstaunlichen Erkenntnisse erlangt:

„Der Harvard-Psychologe Steven Pinker hat aufgezeigt, dass die Anzahl der Gewalttaten (= Tod durch die Hand eines anderen) in jedem Jahrhundert der letzten 2000 Jahre zurückgegangen ist, auch im 20. Jahrhundert, in dem es zwei Weltkriege und den Holocaust gab.“

„Der Rückgang der Gewalt dürfte die bedeutsamste und am wenigsten gewürdigte Entwicklung in der Geschichte unserer Spezies sein.“, so Steven Pinker.

Und auch Berichte in der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“ können uns Mut machen: So haben sich in den letzten 25 Jahren die Anzahl hungernder Menschen auf diesem Planeten um 216 Millionen verringert, und die Kindersterblichkeit hat sich weltweit um mehr als die Hälfte von 12,7 auf 5,9 Millionen reduziert (Quelle: Die Zeit, Nr. 52/2015).

Die Anzahl der Verkehrstoten in Österreich ist trotz einer Steigerung 2015 auf einem historischen Tiefstand von 473 Toten. Noch vor 15 Jahren gab es über 1000 Verkehrstote, dabei hat sich der Fahrzeugstand in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt (Quelle: BMI).

Nach vorne schauen und Vorhandenes würdigen

Es geht mir hier nicht um Schönfärberei oder Zwangsoptimismus, und ja – es gibt noch mehr als genug was besser werden muss in dieser Welt. Und gerade deshalb möchte ich meine Aufmerksamkeit viel mehr auf das richten, was wir schon alles geschafft haben. Denn hier liegt der Schlüssel für weitere Fortschritte.

Dies gilt auch für das Individuum. In meiner Arbeit als Trainer & Coach beobachte ich immer wieder, gerade wenn Menschen in Veränderungsphasen sind, wie sie sich mit Zukunftsängsten blockieren und wie wenig sie ihre vorhandenen Ressourcen und Stärken würdigen. Doch es zeigt sich deutlich:

Wer an sich glaubt und seine Stärken fokussiert, schafft damit nicht nur bessere Berufsaussichten sondern findet auch in Krisensituationen leichter zu neuen Lösungen.

Früher war vieles gut, aber heute ist vieles besser – nur sehen wir das zu wenig. Schon Karl Valentin meinte: „Heute ist die gute alte Zeit, von der wir morgen reden.“

Mein Fazit also: Ich bleibe ein Träumer mit Blick nach vorne und auf das was mich schon in der Vergangenheit stark gemacht hat.

Und übrigens: Danke Mama, dass du mich so werden lassen hast.