Hallo Chef – motivier mich mal!

Wenn ich mit Führungskräften und Mitarbeitern zum Thema Motivation spreche zeigt sich ein deutliches „Dilemma“. Chefs möchten motivierte Mitarbeiter, und die Mitarbeiter möchten einen Chef, der sie motiviert. Kein Wunder also, wenn die Motivation da manchmal auf der Strecke bleibt.

Dabei meinte Reinhard Sprenger schon in seinem Klassiker: „Mythos Motivation“:

„Die Motivierung ist der Tod jeder Motivation“.

Und meinte damit sinngemäß, je mehr Anreize von „von außen geschaffen“ werden, wie z.B. Prämien, Titel, Bonis, um so mehr sinkt der Anteil des inneren Antriebs und umgekehrt müssen die externen Reize immer höher gesetzt werden. Ging im letzten Jahr die Wettbewerbsreise für den Außendienst noch nach Barcelona, muss es dieses Jahr schon New York sein. Zudem wird gejammert, dass früher die Minibar im Hotelzimmer noch mit bezahlt wurde. Wer denkt da nicht gleich an die so genannte „VW-Affäre“

Motivierte Mitarbeiter – die gibt´s, aber wo …?

Zurück zum Wunsch der Führungskräfte nach motivierten Mitarbeitern. Die Frage ist: wo sind die, und wenn ja wie viele? Glaubt man einer Gallup Studie, die schon seit 15 Jahren regelmäßig durchgeführt wird, dann zeichnet sich ein eher „bescheidenes“ Bild. Sie untersucht die emotionale Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen und damit die Faktoren Engagement und Motivation. Sie unterteilt im Ergebnis die Mitarbeiter mit hoher, geringer und keiner emotionaler Bindung. Das Ergebnis ist spannend und ernüchternd zugleich:

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Link zur Studie: http://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx

Wenn Sie also mehr als 1/6 hoch motivierte Mitarbeiter in Ihrem Team haben, dann dürfen Sie sich schon mehr als glücklich schätzen und liegen über dem Durchschnitt.

Für den Großteil der Mitarbeiter heißt es eher: ich mache meinen Job, aber bitte nicht mehr erwarten. Überstunden und Projektarbeit – Nein danke! In Zeiten ansteigender Burnout Erkrankungen möglicherweise eine vernünftige Strategie aus Sicht des Mitarbeiters. Innovationen und Veränderungsprozesse lassen sich mit dieser Einstellung aber nicht in Gang setzen.

Bei einem weiteren 1/6 heißt es mehr „Frust als Lust“. Das wirkliche Leben beginnt erst am Freitag Nachmittag und endet am Montag Morgen.

Die Befragung erfolgte in Deutschland und die Zahlen in Österreich dürften nicht viel besser sein. Im internationalen Vergleich führen die USA mit 32% hoch motivieren während Italien mit 3% das Ende des Feldes darstellt. Da sage ich nur: dolce far niente!

Mitarbeiter kommen wegen dem Job – und gehen wegen dem Chef!

Jedes Ziel bringt Hürden mit sich.

Das ist die klare Ansage an die Führungskräfte. Dieses „offene Geheimnis“ untermauert auch die Gallup Studie. Denn rund 40% der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung erwägt das Unternehmen zu verlassen – und zwar aufgrund ihres Vorgesetzten. Ja am liebsten würden sie ihren eigenen Chef entlassen – wenn sie nur könnten. Sicher ist der Chef nicht alleine das Übel, doch es lässt sich nicht leugnen, dass gerade die Führungskraft ein „Motivationskiller“ sein kann.

Daher zuerst einmal ist die Frage was kann ich tun um Demotivation zu vermeiden. Denn dies ist leider die häufigere Ursache.

Hier ein paar Möglichkeiten um Mitarbeiter zu DEMOTIVIEREN:

  • Launisches Verhalten des Vorgesetzten
  • Keine Rückmeldung über geleistete Arbeit des Mitarbeiters
  • Schlechtes Arbeitsmaterial zur Verfügung stellen
  • laute und auf die Person bezogene Kritik
  • Urlaubs- oder Weiterbildungswünsche bleiben unberücksichtigt
  • Informationen werden nicht ausreichend weitergegeben
  • Kritik am Mitarbeiter vor dem versammelten Team
  • Einsame Entscheidungen des Feldherren

 

Mit diesem Führungsstil (sofern man dies überhaupt so nennen darf) sammeln sich gerne Ja-Sager rund um den Chef. Diese machen Dienst nach Vorschrift (wenn überhaupt) und wollen eines nicht: eigenverantwortlich handeln.

Es geht natürlich auch anders.

Was kann ich als Führungskraft tun um Motivation zu erzeugen?

Oft sind es die wenigen und einfachen Dinge, die eine große Wirkung haben. Ich zeichne hier gerne auch das Bild eines Gärtners. Der sorgt für den richtigen Boden, das passende Licht, und gießt und düngt regelmäßig seine Pflänzlein. Weiters schützt er sie vor Schädlingen oder bekämpft diese, falls notwendig. Und er weiß: jede Pflanze braucht ein gedeihliches Umfeld um sich voll zu entfalten.

Und so sieht das „Gärtner sein“ im Führungsalltag aus:

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Generell braucht es gar nicht viel, um die Motivation von Mitarbeitern zu aktivieren und zu stärken. Ein guter Chef ist heute vor allem ein kompetenter Coach, der versucht, das Beste aus seinem Leuten herauszuholen. Was bedeutet – es steckt schon im Mitarbeiter drin, es gilt es nur zu entdecken und zu fördern und fordern.

Ich wünsche Ihnen dabei alles Gute – egal ob als motivierender Chef oder als eigenmotivierter Mitarbeiter!

Zum Schluss noch ein kleines 1 x 1 der Mitarbeiterführung – etwas unkonventionell:

1.) Auch Chefs machen mal Fehler. Geben Sie diese gegenüber Ihren Mitarbeitern ruhig zu. Perfekte Chefs sind wie perfekte Eltern: angsteinflößend und unnahbar.
2.) Nützen Sie Berührungspunkte auch außerhalb der operativen Arbeit. Dazu zählen insbesondere: Essen, Trinken, Lachen, Erzählen, Zuhören, Feiern, Singen, Spielen
3.) Überraschen Sie manchmal mit kleinen Geschenken. Die nächste Eisdiele ist nicht weit.
4.) Überlegen Sie sich eine kleine Sache für die Sie Ihrem jeweiligen Mitarbeiter besonders dankbar sind – hier reicht allein schon der Gedanke.
5.) Stehen Sie nicht im Weg wenn Ihre Mitarbeiter Ideen haben, sondern begleitend zur Seite.
6.) Bleiben Sie bei getroffenen Vereinbarungen konsequent – auch wenn man Sie manchmal dafür „hasst“ – und Sie selber weiche Knie bekommen.
7.) Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter darin, dass diese sich auch selbst kontrollieren.