Kommunikation & Team

Mit Nervensägen richtig umgehen. Versuch einer Anleitung.

Ob Quasselstrippe, Besserwisser, Miesmacher, oder Aushorcher. Jeder von uns hat schon zumindest einmal im Leben Bekanntschaft mit schwierigen Personen gemacht. Menschen, die eine besondere Mischung von herausfordernden Charaktereigenschaften vereinen. Man nennt sie ganz einfach auch „Nervensägen“.

Sei es nun auf der Arbeit oder in der Verwandtschaft: Wir können uns weder die Arbeitskollegen, noch die Verwandten aussuchen. So kannst du zwar beschließen mit Onkel Erwin weniger Kontakt zu haben, nicht aber mit Arbeitskollegin Petra, die dir gegenüber sitzt und dich regelmäßig auf die Palme bringt. Wenn die Situation auf der Arbeit sich zuspitzt und du dich ständig über das Verhalten von Person x ärgerst, hat das meist ungünstige Folgen. Du gehst ungern zur Arbeit, bist leicht gereizt und viel weniger produktiv. Willkommen am Tor zur Finsternis, denn nicht umsonst sagt man über Nervensägen, er oder sie macht einem das Leben hier zur Hölle.

Gerade deshalb ist es wichtig den richtigen Umgang mit dieser Spezies zu lernen. Das hört sich zugegeben leichter an, als es ist. Denn manchmal nerven uns gewisse Menschen, ohne dass wir sagen können, was denn der konkrete Grund dafür ist. Du kennst die Situation vielleicht. Zwei neue Kollegen werden eingestellt. Die neue Kollegin war dir von Anfang an nicht sympathisch, während du dich mit dem neuen Kollegen auf Anhieb gut verstanden hast. Du kannst selbst nicht sagen was der Auslöser sein könnte. Umgekehrt stellst du fest, dass es durchaus Personen gibt, die sich mit der von dir definierten Nervensäge durchaus gut verstehen.

 

Der Grund dafür liegt meist tiefer verankert, nämlich in deinen Wertvorstellungen. Die können stark von deinem Gegenüber variieren und darin verbirgt sich viel an Konfliktpotential. Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Ursachen. Da wir uns hier mehr auf die Lösung, als auf das Problem konzentrieren, möchten wir in diesem Blog mehr das „Wie geht´s“ als das „Warum passiert mir das“ beleuchten.

Die (Konflikt-) Lösung ist so vielfältig, wie es Menschen gibt

Zunächst scheint mir wichtig, dass es (wie so oft) keine Patentlösungen für jede Form von Nervensäge gibt. Es gibt aber durchaus Prinzipien, welche universell gültig sind, wenn du wirklich eine Lösung anstrebst.

  1. Vergiss den Gedanken, dass es schwierige Menschen gibt.

Du bist der, welcher die Schwierigkeiten mit dieser Person hat. Das ist im übrigen keine Art von Schuldeingeständnis, sondern einfach die Übernahme von Verantwortung. Mich stört etwas und daher beschäftige ich mich mit dem, was ich ändern will und kann. Verzichte am besten darauf andere ändern zu wollen. Du ersparst dir viel Kummer damit.

2. Konzentriere dich auf das Verhalten und nicht auf die Person

Konzentriere dich auf das Verhalten und nicht auf die Person. Sobald du Gedanken hast wie „Das ist ein voller Choleriker“, oder „diese Tratschtante macht mich wahnsinnig“ stülpst du das Verhalten wie eine Skimütze über diese Person. Effektiver ist es wenn du das Verhalten benennst, welches dich stört. Zum Beispiel: „Sie redet über andere, ohne zu überprüfen, ob das was sie sagt wirklich stimmt. Oder: „Er wird in Diskussionen sehr laut und bekommt dann einen roten Kopf“. Nur wenn wir das Verhalten „herausdestillieren“ sind wir dann später in der Lage ein konstruktives Gespräch darüber zu führen. Die Beschreibung des Verhaltens hilft mir dabei sachlich zu bleiben – und das ist entscheidend.

3. Lass deine Gefühle ruhig raus – aber kontrolliert.

Wenn Emotionen wie Ärger, Zorn oder Gereiztheit in dir auftreten, dann brauchen sie auch eine Bühne für ihren Auftritt. Und diese Bühne hat einen Namen: AIDA. Das heißt so viel wie Atmen – Innehalten – Denken – Ansprechen. Und auch hier gilt, sag es mit eigenen Worten. Zum Beispiel: „Es nervt mich, wenn du hinter mir am Schreibtisch stehst und auf meinen Bildschirm schaust. So kann ich nicht arbeiten.“ Oder: „Ich fühle mich nicht ernst genommen, wenn du mich nicht ausreden lässt. Hör mir bitte zu.“

4. Handle so, dass die Anzahl deiner Wahlmöglichkeiten größer wird.

Was so viel heißt, wie versteife dich nicht auf „Entweder-Oder Bedingungen“. Überlege dir stattdessen mehrere Möglichkeiten. Vielleicht nützt ein Gespräch außerhalb der Arbeitszeit, um sich besser kennen zu lernen und zu verstehen. Möglicherweise braucht es die direkte Konfrontation, in der du deine Bedürfnisse klar auf den Punkt bringst. Vielleicht ist es besser, wenn eine dritte Person (Führungskräfte, Moderator, andere Kollegin, oder Kollege) miteingebunden wird. Wenn du mehrere Lösungen aufschreibst und sie danach für dich betrachtest wirst du das Gefühl entwickeln, welche Option am stimmigsten für dich ist. Damit lässt sich ein Anfang machen.

5. Vermeide alles was eine Eskalation verstärkt – außer du willst dies bewusst.

Typische Eskalationstreiber sind zum Beispiel Schuldzuweisungen in Verbindung mit Generalisierungen. Hier ein paar Beispiele dazu:
„Immer musst du Recht haben.“ „Du kannst einfach nie zuhören“. „Das ist wieder mal typisch, dass du immer nur an dich denkst“.
Ebenfalls hilfreiche Eskalationsmethoden sind Sarkasmus und Ironie: „Wo bist du denn zur Schule gegangen? Sicher in die Baumschule.“

„Du hast ja keine Ahnung! Da weiß meine dreijährige Nichte mehr als du.“
„Wenn du keine ganzen Sätze sagen kannst, solltest du es besser lassen“
„Das ist doch wohl logisch! Nicht zu fassen, dass du das nicht checkst.“

All dies erhöht die Eskalationswahrscheinlichkeit, daher verzichtbar. Es sei denn, du beabsichtigst genau das. Frage dich dann auch: Was sind die Konsequenzen und wie geht es danach weiter?

Setze dir einen Anker

Eine gute Strategie ist es, sich selbst einen Anker zu setzen. Damit kannst du einfacher und schneller deine Gefühle in Konfliktsituationen kontrollieren. Ein Anker kann ein Erinnerungsstück aus dem Urlaub sein, das an deinem Arbeitsplatz liegt oder eine Handbewegung, die dir eine Form der Erleichterung bringt (Achtung, gemeint ist hier nicht der Stinkefinger ;-).

Gut geeignet sind Anker die Reaktionen hervorrufen wie zum Beispiel Gelassenheit, Freude, Zuversicht, Entspannung, etc.

Wie bereits erwähnt ist es wichtig, nicht im Konflikt zu verharren. Du musst auch nicht mit jedem Menschen auf dieser Welt im Einklang sein. Das ist vermutlich unmöglich. Daher kann eine Nervensäge auch manchmal ein Hinweis sein, eine größere Veränderung anzugehen. Vielleicht entscheidest du dich, dass dies nicht mehr das Umfeld ist, in dem du arbeiten oder leben möchtest. Dann gilt es die Situation zu nützen.

Entscheide dich für eine dieser drei Strategien. Es gibt immer einen Weg!

Die VDA Formel

Ganz zum Schluss möchte ich dir noch die „VDA-Formel“ mit auf die Reise geben: Verbünden / Durchsetzen / Abgrenzen.

Im Buch „Nervensägen im Griff“ von Meike Müller gibt es noch einige weitere Herangehensweisen und Beispiele zum nachlesen. Was sind deine Erfahrungen mit Nervensägen? Wie hilfst du dir in solchen Situationen? Ich freue mich von dir zu lesen.

Wir bieten regelmäßig Nervensägen Seminare in Unternehmen an, bei Interesse freuen wir uns über deine Kontaktaufnahme.

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